Liebe Leser:innen,
diese Woche bin ich sehr zuversichtlich. Das liegt an einer großen Recherche-Kooperation mit Kolleg:innen aus vielen europäischen Ländern. Gemeinsam haben wir diese Woche veröffentlicht, wo überall in Europa das US-Unternehmen Palantir Verträge mit Regierungen hat – und wo sich Staaten wegen unterschiedlicher Bedenken von dem Anbieter abwenden.
Es geht mir bei meiner Freude gar nicht so sehr darum, was im Text steht. Mich erfreut besonders, was möglich ist, wenn Journalist:innen aus 18 verschiedenen Staaten zusammenarbeiten. In den vielen Wochen, die vor der Veröffentlichung lagen, fragten die Kolleg:innen immer wieder bei ihren Regierungen und Ministerien nach, verschickten zahllose Presse- und Informationsfreiheitsanfragen. Sie ließen nicht locker, auch wenn es zäh wurde. Und so trugen sie jede Menge Informationen zusammen, schon in der Recherchephase erschienen allerortens immer wieder Ausschnitte aus dem, was sie herausfanden. Manche Neuigkeit kam auch erst kurz vor der Deadline. So erfuhren wir alle kurz vor Redaktionsschluss, dass in Spanien der einzige Vertrag mit Palantir wohl nicht verlängert werden soll.
So ergab sich Stück für Stück ein Bild. Wir trugen zusammen, was die verschiedenen Regierungen für Palantir-Software ausgaben und ‑geben. Das sind dann mal 25 Millionen Euro in Baden-Württemberg und 6,2 Millionen Euro in Italien. Einzeln wirkt das nicht wie ein Riesenbetrag. Aber wenn man alles zusammenwirft, kommen rund 1,4 Milliarden Euro dabei heraus – mindestens, denn einige Regierungen wollen keine Kosten offenlegen.
Diese Informationen kann keine Person alleine zusammensuchen. Dafür braucht es ein großes Team aus findigen Rechercheur:innen, die genau wissen, wie sie die Informationen im eigenen Land am besten herausfinden. Aber die harten Zahlen sind nicht das einzige, was ich an der Kooperation sehr zu schätzen gelernt habe.
Alles netzpolitisch Relevante
Drei Mal pro Woche als Newsletter in deiner Inbox.
Es erleichtert die eigene Arbeit ungemein, wenn man genau weiß, dass es für jede Region eine kundige Ansprechpartnerin gibt. Wenn man ganz direkt mitbekommt, wie die Diskussionen um Palantir in den verschiedenen Ländern laufen – nicht nur aus leidlich automatisiert übersetzten Nachrichtenmeldungen, sondern von den Experten für genau dieses Thema. Und wenn Konkurrenz keine Rolle spielt, sondern alle gemeinsam daran arbeiten, möglichst viele Informationen ans Licht zu bringen und die Puzzleteile zusammenzusetzen. Davon braucht es mehr. Denn die meisten der Themen, zu denen wir recherchieren, der Unternehmen, die wir beleuchten, sie reichen weit über ein einzelnes Land hinaus. Daher geht ein großer Dank an die Kolleg:innen der Investigativ-Plattform Follow The Money, die unsere Recherche geleitet und koordiniert haben.
Ganz am Ende einer Kurzübersicht im Text, der bei Follow The Money erschien, findet sich übrigens ein unscheinbarer Hinweis: „Dieser Artikel ist Teil einer fortlaufenden Reihe“. Und ich glaube auch: Das war sicher nicht der letzte Teil.
Viele Grüße
anna

Schreibe eine Ergänzung!